
Irgendwie hat man gewisse Assoziationen mit dem ersten Adventsonntag: Spekulatius, die erste Kerze am Adventskranz brennt, die Rock-Christmas-CD wird nach einem Jahr wieder entstaubt und in den CD-Player eingelegt, der Duft von Weihrauch und selbstgebackenen Plätzchen breitet sich im Haus aus und es herrscht Frieden aller Orten ...
Denkste.
Der erste Adventsonntag anno 2009 heißt auch für uns wie für so viele auf dieser Insel: Ständiger Kampf gegen die Wassermassen, die von oben auf die schöne grüne Insel niederkommen. Nach einer kurzen Entspannung gestern (ja, es gibt sie noch, die Sonne) begann gestern Abend wieder der Dauerregen - und er hält unvermindert an.
Für uns heißt das, wie schon früher hier berichtet, ständiges Wasserschöpfen. Durch eine absolute Fehlkonstruktion bei der Planung des Heizkessels an unserem Haus steht der Heizraum bei starkem Regen permanent unter Wasser. Und wir schöpfen in Schichten Wasser weg, um das Übersteigen eines gewissen Pegels (und den damit verbundenen unvermeidlichen Kurzschluß im Heizungssystem) abzuwenden.
Unterbrochen nur von kurzen Tee- und Aufwärmpausen, meistens aber draußen bei gefühlten Minus 10 Grad (und tatsächlichen Plus 3). Die Chance, sich irgendwo eine Pumpe zu leihen? Fehlanzeige. Eine kaufen? Macht (noch) nicht wirklich Sinn. Und so schöpfen wir Wasser, so gut es geht. Im permanenten Wettlauf mit dem heftigen Regen und den sturzbachgleichen kleinen Wasserfällen, die sich auf dem Hang hintem Haus bereits gebildet haben.
Und uns alle vereint das Hoffen auf eine baldige Entspannung (die andernorts bereits vermeldet wird, aber von der wir hier noch nichts bemerken). Die Blessington Lakes treten aus den Ufern und überfluten die einzige Straße in Richtung Zivilisation. Wenn es so weiter geht, wird der Arbeitsweg morgen früh wohl nicht mehr machbar sein.
Vorerst aber schöpfen wir ganz einfach weiter, um wenigstens die Heizung aufrecht zu erhalten. Und haben zum Glück (noch) Elektrizität im Haus, im Gegensatz zu vielen anderen Häusern hier in der Gegend. Dann auch die ESB ist mit der Aufrechterhaltung der Stromversorgung derzeit hoffnungslos überfordert.
Eine Entspannung der Lage täte uns allen gut - vor allem am ersten Advent. Aber einen positiven Nebeneffekt gibt es - die gelebte Nachbarschaftshilfe im Irland des Jahres 2009. Unabhängig von Herkunftsland oder sozialem Status. Hier hilft man sich noch gegenseitig. Und das ist auch gut so.

Rund ums Haus haben sich Bäche gebildet, die wir einfach nicht mehr umleiten können.

Der Eingang zu unserem (spektakulär fehlgeplanten) Heizraum. Schaut jetzt nicht ganz so spektakulär aus, weil wir grade wieder das meiste weggeschöpft haben, hält uns jetzt aber schon seit geraumer Zeit ordentlich auf Trab.
Nachtrag, 2.30 pm: Die Lage spitzt sich hier immer mehr zu. Die N81 Richtung Dublin ist mittlerweile unpassierbar, selbst SUVs scheitern an den Wassermassen auf der Straße. Auch viele Nebenwege sind durch umgestürzte Bäume blockiert, es arbeiten zwar alle miteinander mit Hochdruck daran, dass wenigstens ein paar Straßen frei sind, aber derzeit noch vergebens. Wenn nicht bald der Regen aufhört, sind wir wohl in Kürze von der Umwelt abgeschnitten. Da kann man nur froh sein, dass die Vorratskammer halbwegs voll ist, weiter Wasser schöpfen und das Beste hoffen ...
Nachtrag 4.00 pm: Es hat vorläufig mal zu regnen aufgehört. Schon 30 Minuten kein Niederschlag. Und die Hoffnung, dass es vielleicht jetzt mal so bleibt. Bevor hier alles davon schwimmt. Und nebenbei die Gedanken an die, die weiter unten wohnen als wir, und die es noch viel härter trifft. Irland 2009 hat schon einige böse Überraschungen parat ...
Nachtrag 7.30 pm: Seit halb Vier kein Regen mehr, und es schaut so aus, als sei das Gröbste überstanden. Hoffen wir es zumindest. Wenn die Nacht ohne Regen auskommt, sollte es morgen früh wieder halbwegs gehen ...